Die Anlaufstelle für Startups am Campus Stuttgart

Startup Campus 0711 Think Tank Treffen: Fokus auf Social Entrepreneurship und Sustainability

„Social Entrepreneurship und Sustainability sind Themen, die im Gründungsgeschehen der letzten Jahre auch am Campus Vaihingen deutlich an Gewicht gewonnen haben,“ eröffnete Prof. Dr.-Ing. Peter Middendorf, Prorektor für Wissens- und Technologietransfer der Universität Stuttgart, das vierte Think Tank treffen des Startup Campus 0711. 16 Teilnehmende hörten thematisch passende zwei Impulse aus Unternehmen und nutzten die Gelegenheit zum Austausch.

„Social Entrepreneurship und Sustainability sind Themen, die im Gründungsgeschehen der letzten Jahre auch am Campus Vaihingen deutlich an Gewicht gewonnen haben,“ eröffnete Prof. Dr.-Ing. Peter Middendorf, Prorektor für Wissens- und Technologietransfer der Universität Stuttgart, das vierte Think Tank treffen des Startup Campus 0711. 16 Teilnehmende hörten thematisch passende zwei Impulse aus Unternehmen und nutzten die Gelegenheit zum Austausch.

Diese Aussage bestätigte Prof. Dr. Nils Högsdal, Prorektor der Hochschule der Medien (HdM), mit der Zusammenfassung einer aktuell abgeschlossenen Masterarbeit zu den Dimensionen des impact-orientierten Entrepreneurships. In der Arbeit untersuchte Claudia Lutz Förderanträge im Rahmen der Impact Entrepreneurship-Qualifizierung an Bayerischen Hochschulen.

Aus Hamburg waren die HdM-Alumni Leonie Eißele und Niklas Heinzerling, Gründerin und Gründer des Start-ups „The Closest Loop“ zugeschaltet. Sie stellten ihre Gründerreise von der ersten Idee eines nachhaltigen Putzschwamms bis zu 20.000 abverkauften Juffa-Schwämmen vor.

Am Anfang stand die Idee, den herkömmlichen Schwamm aus aufgeschäumten Kunststoff durch nachhaltigeres Material zu ersetzen. Von Beginn an setzten sie sich mit cradle-to-cradle, insbesondere der Zirkularität der eingesetzten Materialien auseinander. Ein bio-basiertes Material für Schwämme ist bereits im Markt: das Gewebe der Juffa-Gurke. Bei einer ganzheitlichen Betrachtung reicht der Material-Aspekt jedoch nicht aus. Wo wird produziert? Wie wird produziert? Und welche Strecke legt das Produkt auf dem Weg vom Anbaustandort in den Warenkorn zurück? Die handelsüblichen Juffa-Schwämme stammen aus Asien und Afrika. Mit der Entscheidung, die Juffa-Gurke in Rheinland-Pfalz, Albanien und Spanien anzubauen, die Verarbeitung des Rohstoffs in Speyer bei einem Sozialunternehmen durchführen zu lassen und D2C direkt zu vermarkten, senkte das Gründer-Team nicht nur den CO2e-Ausstoß um etwa 90 Prozent, sondern gestaltete bewusst alle Stationen entlang der Wertschöpfungskette so nachhaltig wie möglich – weit über Klimaaspekte hinaus. In Albanien liegt die Produktion mehrheitlich in Frauen-Händen und bietet hier sonst nicht übliche Einkommenschancen. Der Anbau an allen drei Standorten orientiert sich an Richtlinien für biologischen Anbau, sie legen Wert auf der Einhaltung von Sozialstandards in Anbaubetrieben und in der Weiterverarbeitung und legen auch an die Verpackung und den Versand eine hohe Messlatte bezüglich Nachhaltigkeit. Anstelle von Labeln und Zertifikaten setzen sie auf den Weg der „Glaubwürdigkeit durch Datentransparenz“, so Leonie Eißele. Sie legen offen, was sie wo und wie tun, erfassen diese Daten und modellieren ihren Impact. Die trockenen Sommer stellen aktuell neue Herausforderungen, die von den Anbau-Teams vor Ort so umweltschonend wie möglich gelöst werden.

Bemerkenswert ist, dass „The Closest Loop“ zum größten Teil „gebootstrapped“ ist – die Finanzierung wurde von den Gründer*innen nahezu allein gestemmt. Staatliche Gründungsförderung ganz zu Beginn des Wegs, Crowdfunding und die Unterstützung aus dem Familien- und Freundeskreis sind die bislang einzigen zusätzlichen Finanzierungsquellen.

Den Weg ins Regal der Discounter und Drogerien haben sie noch nicht geschafft. Zu groß ist die deutlich günstigere, konventionelle Konkurrenz. Der Absatz über den eigenen Webshop läuft jedoch vielversprechend. Die Wiederkäuferrate ist hoch. Das spricht für das Produkt. Der „Le Gurque“ Schwamm hält deutlich länger als die kunststoff-basierte Variante, er lässt sich bei 60 Grad Celsius waschen und kann am Ende des Lebenszyklus auf den Kompost oder in die Biotonne.

Ein Sprung in eine andere Galaxie war anschließend der Impuls von Kyra Meckel, verantwortlich für den Nachhaltigkeitsbericht bei BOSCH, allein aufgrund der Komplexität des Geschäftsmodells und der schieren Größe des Unternehmens. Kyra Meckel stellte die Corporate-Social-Responsibility-Strategie (CSR-Strategie) des Unternehmens vor und hatte dafür Auszüge aus dem aktuellen Nachhaltigkeitsberichts mitgebracht. BOSCH berichtet nach dem Standard der Global Reporting Initiative.

Unternehmen in der Größe von Bosch sind seit 2018 berichtspflichtig. Unternehmen legen ihr Geschäftsmodell offen, zeigen auf, welche Stakeholder durch ihr Kerngeschäft berührt sind, welche Umweltwirkungen auf das Unternehmen einwirken (sowie wie diesen begegnet wird) und welche Umweltwirkungen das Kerngeschäft des Unternehmens auslöst (sowie wie diese minimiert werden). Für die drei Themenfelder „Environment“, „Social“ und „Governance“ (ESG) formuliert das Unternehmen Ziele und Zeithorizonte, die den Weg zu einem nachhaltigen Unternehmen aufzeigen.

Die wesentlichen Themenfelder der Nachhaltigkeitsstrategie von Bosch sind Klimaschutz, Wasser, Circular Economy, Diversity, Menschenrechte und Gesundheit. Für das Feld Klimaschutz hat sich Bosch ambitionierte Ziele gesetzt. Es gilt, das im Pariser Klimaabkommen vorgegebene Ziel, die Erderwärmung auf deutlich unter 2° Celsius zu begrenzen. Treiber der Erderwärmung sind Treibhausgase (THG). Bosch hat für die eigenen THG-Emissionen in Scope 1 und Scope 2 bereits 2020 Klimaneutralität erreicht – durch Energieeffizienz, Produktion und Abnahme von grünen Energien sowie Kompensation der aktuell nicht dekarbonisierbaren Anteile. Bis 2030 will das Unternehmen auch in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette die Emission von CO2e um 15 Prozent reduzieren. Dass BOSCH sich damit auf dem durch das Pariser Klimaabkommen vorgegebenen Zielpfad befindet, hat die Science Based Target Initiative (SBTI) validiert.

Nachhaltigkeitsmanagement bedeutet, potenzielle Problemfelder zu identifizieren, zu bewerten, geeignete Maßnahmen zu entwickeln, umzusetzen und auf Wirksamkeit zu überprüfen. So hat bei BOSCH die Analyse mit dem WWF Water Filter aufgezeigt, in welchen Regionen und in welchem Umfang die wirtschaftlichen Tätigkeiten Wasser über dem ggf. notwendigen Maß verbrauchen. Entsprechend hat sich das Unternehmen Reduktionsziele gesetzt, die über Verbesserung der Produktionsprozesse, der Kreislaufführung von Prozesswasser und dem Einsatz von Regenwasser erreicht werden sollen. Auch im Materialeinsatz richtet sich BOSCH deutlich auf Materialeffizienz und Zirkularität aus.

Die Triple Bottom Line der Nachhaltigkeit besteht nicht nur aus dem Bereich „Environment“. Gerade der Bereich „Social“ ist auf vielen Ebenen von Belang. Das neue Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz verpflichtet Unternehmen zur Übernahme von Verantwortung für alle Menschen, die entlang der kompletten Wertschöpfungskette im In- und Ausland durch Aktivitäten im Kerngeschäft des Unternehmens berührt werden. Es geht um die Einhaltung von Menschenrechten, Ausmerzung von Kinder- und Zwangsarbeit, Gleichberechtigung und Inklusion. Bei 15 kritischen Rohstoffen gilt es, die Gewinnung und Verarbeitung zu überwachen und bei Bedarf Maßnahmen umzusetzen. BOSCH sieht zusätzlich die Themenfelder „nachhaltiges Leben“, „Bildung für die Zukunft“ und „sozialer Zusammenhalt“ als wesentlich. Ein Netz aus regionalen Stiftungen ergänzt die Robert-Bosch-Stiftung bei der Identifizierung und Umsetzung von Maßnahmen in diesen Themenfeldern.

Im Anschluss an die Impulse und deren Diskussion nutzen die vor Ort anwesenden Teilnehmenden noch für lebhafte Diskussionen – eine Qualität von Treffen in Präsenz, die in ihrer Spontaneität kaum von digitalen Events erreicht wird.

„Soziale Innovationen und soziales Unternehmertum sind wichtige Innovationstreiber, auch hier in Stuttgart und darüber hinaus“, so Prof. Alexander Brem, Direktor des Instituts für Entrepreneurship und Innovationsforschung (ENI). „Deshalb bieten wir an der Universität Stuttgart hierzu regelmäßig eine Lehrveranstaltung an, die explizit Studierenden aller Fachrichtungen offen steht. Und mit dem Social Impact Lab Stuttgart gibt es vor Ort eine Anlaufstelle für alle, die gleich weiter machen wollen.“

Das nächste Treffen des Think Tanks findet im Frühjahr 2023 statt.

HINTERGRUND

Wissenschaftsbasierte Gründungen sind der Schlüssel für einen erfolgreichen Strukturwandel. Der Startup Campus 0711 wird im Rahmen der Fördermaßnahme „EXIST-Potentiale“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördert. Kooperationspartner im Projekt sind die Universität Stuttgart und die Hochschule der Medien. Ziel ist es, wissenschaftsbasierte Gründungsaktivitäten am Campus Stuttgart zu fördern, um langfristig Anzahl und Qualität der Ausgründungen am Campus Stuttgart signifikant zu steigern. Assoziiert ist die am Campus ansässige Technologie Transfer Initiative (TTI). Bis Projektende werden weitere Akteure zur Synergiehebung in den Campus integriert.

Mit dem Ziel das vorhandene Angebot in der Region Stuttgart im Bereich Entrepreneurship zu vernetzen, finden regelmäßig „Think Tank powered by Startup Campus 0711“ Events mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Forschung, Gründungsförderung und Finanzierung zu wechselnden Themen statt.

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